Selbstgemachtes Merchandise – wenn Fans im Revier der Publisher wildern

Sie stricken, häkeln, schneiden, kleben und machen noch einiges mehr um ihre Liebe zu Charakteren aus Videospielen oder dem Spiel an sich zu zeigen, die Fans. Doch wie sieht es rechtlich aus, wenn Gamer sich entscheiden ihre selbstgemachten Produkte anderen zugänglich zu machen, indem sie diese beispielsweise online vertreiben?

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Etsy-Shop: WarcraftsByEuphyley

Das die Liebe von Games-Fans teils merkwürdige Formen annehmen kann ist weithin bekannt: manch einer richtet sein Zimmer oder die Wohnung im Stil eines Spiels ein, ein anderer verkörpert seinen Lieblingsvideospielcharakter auf einer Cosplay-Convention und bei anderen geht diese Liebe in Form von Tattoos sogar unter die Haut. Wie harmlos muten im Vergleich dazu diejenigen Fans an die ihren Alltag mittels selbstgemachter Shirts, Ohrringe, Taschen und anderen Sachen aufpeppen? Später verkaufen sie dieses selbstgemachte Merchandise eventuell relativ arglos auf Conventions und Online-Marktplätzen wie DaWanda oder Etsy, weil sie von anderen darauf angesprochen werden, woher sie dieses oder jenes Stück haben. Rechtlich gesehen bewegen sich all diese Fans auf dünnem Eis. Egal welches Produkt sie auch anbieten, sie machen sich strafbar, ob das Produkt in dieser Form bereits existiert oder nicht ist dabei irrelevant. Denn die Produkte sind vom Lizenzinhaber in den meisten Fällen nicht verifiziert worden. Es handelt sich somit um einen Verstoß gegenüber den Rechteinhabern, um Markenpiraterie. Egal ob wissentlich oder unwissentlich verschuldet auch selbstgemachte Fanartikel können rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. So kann ein Publisher beispielsweise seine Rechte geltend machen, indem er den Fan zunächst abmahnt, ihn auf die Verletzung seiner Namens- und Markenrechte hinweist und ihn auffordert das Bewerben des Artikel mit Fotos zum kommerziellen Zweck zu unterlassen. Das heißt schon bei der bloßen Abmahnung entstehen Kosten die sich aus der offiziellen Unterlassungserklärung, gegebenenfalls eines Nutzungshonorars und der Übernahme der Kosten für den Rechtsbeistand zusammensetzen. Später können dazu noch Auskunfts- und Schadensersatzansprüche, sowie die erneuten Anwaltskosten hinzukommen.

Nicht erlaubt aber meistens geduldet

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Etsy-Shop: Yankeerose

Wie kann es dann aber möglich sein das, wenn man nur das Schlagwort „Zelda“ im Suchfeld des Online-Marktplatzes Etsy eingibt, 250 Shop-Seiten mit ca. 12.000 Artikeln an Ergebnissen erhält? Die Lösung erscheint relativ einfach: obwohl kein Publisher es gerne sieht, wenn seine Rechte verletzt werden so versteht man doch die Liebe der Fans zu ihrem Videospiel und duldet es, dass diese an einander selbstgemachte Merchandise-Produkte verkaufen. Klaus Jens, Managing Director von Square Enix Deutschland äußert sich zu dem Thema folgender Masen: „Square Enix liegt die Community sehr am Herzen und wir freuen uns immer, wenn Fans ihrer Leidenschaft zu unseren Spielen mit selbst erstellten Werken Ausdruck verleihen. Wir würden so etwas nicht unterbinden, sondern freuen uns, wenn Fans unserer Spiele ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Wo wir aber eine klare Grenze ziehen müssen, ist der kommerzielle Handel mit diesen Werken. Als Unternehmen müssen wir unsere Markenrechte schützen, weshalb wir einen solchen Handel unterbinden müssen und uns mögliche rechtliche Schritte vorbehalten.“

Nicht die Plattform sondern der Nutzer haftet bei Verstößen

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Etsy-Shop: RamoArgento

Sowohl die Plattformbetreiber von DaWanda als auch von Etsy prüfen die eingestellten Angebote ihrer Nutzer nicht vorab, sie verstehen sich als Online-Marktplatz-Anbieter. „Jeder Hersteller ist daher für den Inhalt seines Shops, also für die Produkte, das Bildmaterial und auch für den beschreibenden Text, selbst verantwortlich und muss sich natürlich an bestehende Gesetze halten. So darf er beispielsweise weder Urheber-, noch Marken-, Kennzeichen-, Patent- oder Namensrechte Dritter verletzen. So steht es auch in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingen, denen jeder Verkäufer aktiv zustimmen muss, bevor er seine Produkte auf unserer Plattform anbietet. Auf DaWanda Fälschungen oder nachgeahmte Markenprodukte anzubieten, ist eindeutig verboten“, so Ina Froehner, Pressesprecherin von DaWanda. Verena Piltz, Manager PR & Communications bei Etsy, betont: „Wir nehmen geistiges Eigentum und urheberrechtliche Interessen sehr ernst und wir erfüllen die Vorgaben des DMCA*, indem wir Artikel entfernen, wenn wir ordnungsgemäß benachrichtigt werden.“ Beide Marktplatzt-Betreiber gehen, laut eigener Aussage, rigoros gegen Verletzungen jeglicher Art vor um die geltenden Ansprüche der Rechteinhaber zu wahren.

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Etsy-Shop: ketchupize

Fazit: Gewinn steht in keinem Verhältnis zum Risiko

Schluss endlich heißt, dass das Fans welche selbst angefertigtes Merchandise verkaufen, dass zwar inoffiziell machen können, doch stets damit rechnen müssen, eine Anzeige wegen eines Urheberrechtsverstoßes zu erhalten und auf der jeweiligen Plattform gesperrt zu werden. Publisher heißen es zwar gut, dass Fans die Liebe zu ihren Spielen kreativ ausdrücken doch, ist diese Art der fanlichen Betätigung nur geduldet und nicht erlaubt. Rein theoretisch gehen Publisher erst gegen ihre Fans vor, wenn diese zu viel Umsatz generieren und behalten sich daher das Recht vor jederzeit rechtliche Schritte gegen sie einzuleiten. Fans müssen somit ernsthaft abwägen ob sie das Risiko eingehen wollen, denn der Gewinn den sie durch ihren Nebenverdienst erwirtschaften steht in keinem Verhältnis zu den Kosten die ihnen durch eine Klage wegen Verletzung von Marken- und Lizenzrechten entstehen können.

Zombie-Miez, a.k.a. Jennifer Stühler.

 

 


DaWanda und Etsy im Vergleich

DaWanda-Logo als JPG (250 Pixel Breite mit weißem Hintergrund und Schatten) etsy-logo
online seit 2006 2005 (seit 2011 deutsche Version)
angemeldete User 5,2 Mio. (30 Mio.)
1,4 Mio. aktive Verkäufer
19,8 Mio. aktive Käufer
Besucher/Monat 20 Mio.
gelistete Artikel 5 Mio. 29 Mio.
Kosten Shop anlegen kostenlos kostenlos
Kosten Artikel einstellen   0,10 € – 10,00 €: 0,10 €
10,01 € – 20,00 €: 0,20 €
mehr als  20,00 €: 0,30 €
(für 3 Monate)
0,20 € pro Artikel
(für 4 Monate)
Verkaufsprovision 5 % 3,5 %

 

*DMCA, der Digital Millennium Copyright Act, ist ein amerikanisches Gesetz, dass eine rechtliche Basis für die juristische Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Internet ermöglicht. Wenn eine ordnungsgemäße Mitteilung über einen Urheberrechtsverstoß gemeldet wird, die alle durch das DMCA-Gesetz vorgeschriebenen Informationen enthält, muss die Online-Plattform umgehend handeln. Der Zugriff auf das in der Anzeige genannte Material muss deaktiviert werden. Die Plattform kann nicht wegen urheberrechtsverletzender Inhalte haftbar gemacht werden, wenn sie diese Quellen fristgerecht entfernt.

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